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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nala - Labrador - Hündin - 7 Jahre - Abgabehund



Mi&Ni
12.05.2021, 19:00
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:liebe1: Nala angekommen im neuen Leben.

Mi&Ni
12.05.2021, 19:03
:liebe1:Nala befindet sich in ihrem Residenzpflegekörbchen in Wetter an der Ruhr

Profil vom: 13.05.2021

Kastriert: Ja

Verhalten gegenüber Erwachsenen: Nala verhält sich Erwachsenen gegenüber freundlich, aber deutlich zurückhaltend. Sie wedelt bei Annäherung, zeigt aber gelegentlich Beschwichtigungssignale. Wenn jemand auf sie zugeht, weicht sie aus. Wenn sie sich bedrängt fühlt, wird sie vermutlich deutliches Abwehrverhalten zeigen. Wenn man sie gar nicht beachtet, ist sie völlig entspannt.

Verhalten gegenüber Kindern: Direkter Kontakt zu Kindern wurde bisher vermieden. Nala reagiert nicht, wenn wir beim Spazierengehen auf Kinder treffen und der Abstand groß genug ist.

Verhalten gegenüber anderen Hunden und Tieren: Nala zeigt Interesse an anderen Hunden und bleibt entspannt, wenn die sich neutral verhalten. Sobald sie auch nur leicht bedrängt wird, zeigt sie heftiges Abwehrverhalten. Sie verteidigt ihre Ressourcen (Futter, Streicheleinheiten, Schnüffelstellen) vehement. Pferde, die uns beim Spaziergang begegnen interessieren sie nicht. Unsere Katzen beachtet sie kaum. Andere Tiere haben wir noch nicht getroffen.

Ängste: Ausgesprochenes Angstverhalten konnte noch nicht beobachtet werden. Bei manchen Geräuschen reagiert sie schreckhaft. Gewitter (bisher nur entferntes Donnergrollen) scheint sie nicht zu stören.

Stubenrein: Ja, zu 100%

Grundgehorsam/Leinenführigkeit: Nala kennt Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Hier“ und „Nein“ und führt sie i.d.R. zuverlässig aus. An der Schleppleine läuft sie vorbildlich, an der kurzen Führleine sind gelegentlich kleine Korrekturen notwendig, damit sie nicht zieht.

Jagdtrieb: Konnte bisher nicht beobachtet werden. Gelegentlich schnüffelt sie mit hoher Nase einem Wildgeruch nach, macht aber keine Anstalten Spuren zu verfolgen. Die Katzen am Haus interessieren sie auch kaum.

Treppen: Treppen läuft Nala im Haus ohne Probleme.

Autofahren: Nala ist eine gute Mitfahrerin. Sie springt selbständig in die Box und legt sich ruhig hin. Sie bleibt auch problemlos alleine im Auto.

Alleinbleiben: Bisher musste Nala im Haus noch nicht lange allein bleiben, 2 Stunden hat problemlos geklappt. Es macht ihr nichts aus, wenn ich den Raum kurz verlasse und die Tür schließe. Wenn ich es zulasse, verfolgt sie mich zwar auf Schritt und Tritt, das ist aber vermutlich eher der Wunsch nach Kontrolle.

Gesundheit: Zum Zeitpunkt der Abgabe ist Nala vollständig geimpft. Ein Gesäugetumor wurde vollständig entfernt. In diesem Zusammenhang wurde Nala kastriert.

Neues Zuhause: Nala darf nur in sehr erfahrene Hände vermittelt werden. Sie braucht ganz souveräne aber behutsame Führung, so dass sie lernt, dass der Chef/die Chefin alles für sie regelt. Dazu gehört vor allem der zuverlässige Schutz vor Belästigung und Stress. Nala musste sich vermutlich oft selbst gegen aufdringliche Hunde, unerzogene Kinder und übergriffige Erwachsene verteidigen und hat das „Schnappen“ als letztes Mittel für sich entdeckt, vielleicht weil ihre Signale und Warnungen ignoriert wurden.
Für Nala suchen wir eine Familie ohne Kinder und andere Tiere. Da Nala sehr wachsam ist, sollten die Nachbarn tolerant sein. Ein Haus mit Garten wäre schön. Die zukünftigen Besitzer sollten bereit sein, viel Zeit und Arbeit zu investieren, um Nalas Vertrauen zu gewinnen.

SHWet
13.05.2021, 21:10
Nach zwei Wochen gähnender Leere im Pflegekörbchen ist heute Nala bei mir angekommen. Es ist natürlich noch viel zu früh für die Beschreibung erzieherischer Maßnahmen, aber ein paar Beobachtungen vom ersten Tag kann ich bereits liefern.


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Egal ob Fox-Red, Rotblond, Hell-Schoko, Honig, Caramell oder Zimt- und Zucker - auf jeden Fall zum Anbeissen, die Süße

Nala ist eine prima Mitfahrerin. Ohne zu zögern sprang sie in die Kofferraum-Box, legte sich sofort hin, den Kopf auf die Pfoten und machte ein Nickerchen. Während der Fahrt verhielt sie sich absolut ruhig und zeigte sich diszipliniert beim Aussteigen. Mehr kann man nicht verlangen ;-)


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Nala im Auto

Beim Spazierengehen zeigt sie sich ebenfalls ziemlich gelassen. Sie schnuppert intensiv die Wegränder ab, lässt sich dabei viel Zeit und zieht nicht an der Leine. An übersichtlichen Stellen habe ich sie bereits an der Schleppleine. Auf Passanten, Jogger und Radfahrer scheint sie nicht zu reagieren. Bei entgegenkommenden Hunden sind wir bisher deutlich ausgewichen. Auch da konnte ich aber noch keine besondere Anspannung beobachten.

Die Katze auf der Fensterbank hat Nala kaum interessiert. Als die aber beim Öffnen der Haustür flüchtete, fand Nala das schon aufregend und wäre gern hinterhergestürmt, aber dafür ist ja die Leine dran...

Auch im Haus hat Nala zunächst mal alles ausführlich beschnuppert. Während des Mittagessens hat sie sich freiwillig auf ihre Decke gelegt und bekam dort ein Büffelhautstäbchen zum Knabbern. Beim Ausschlecken der Joghurtbecher hat sie eine gute Technik - ihre Zunge kommt bis zum Boden ;-)


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Ein Schläfchen in Ehren...

Ein bisschen unruhig verhält sie sich im Arbeitszimmer. Nur direkt nach dem Spaziergang hat sie sich wirklich zum Schlafen hingelegt. Während ich jetzt am PC sitze, wechselt sie häufig den Liegeplatz bzw. sitzt oder steht erwartungsvoll an der Tür, manchmal wedelnd, manchmal leise winselnd. Da ich das überhaupt nicht beachte, legt sie sich dann auch wieder hin, lässt mich aber kaum aus den Augen und springt sofort wieder auf, wenn sie irgendetwas hört. Ich denke, das wird aber in kürzester Zeit Routine sein - wenn ich arbeite, hat sie Sendepause!

Die erste Trainingseinheit zur Maulkorbgewöhnung hat Nala ebenfalls schon absolviert. Sie ist eine echte Labradora - für Futter steckt sie die Schnauze überallhin, selbst in so einen komischen Drahtkäfig...

Ich hoffe, dass sie heute Nacht richtig zur Ruhe kommen wird - darüber berichte ich dann später.

Mi&Ni
14.05.2021, 11:37
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SHWet
14.05.2021, 12:33
Gut haben wir geschlafen heute Nacht! Nachdem Nala zunächst alle Ecken und Winkel des Schlafzimmers abgeschnuppert hatte, setzte sie sich erstmal hin und schaute mich unverwandt an. Ich lag im Bett, um noch ein paar Seiten zu lesen und Nalas Verhalten unauffällig zu beobachten. Als ich ihren Blickkontakt nicht erwiderte, stand sie irgendwann auf und blieb wedelnd an der Zimmertür stehen. Weil ich auch daraufhin keine Reaktion zeigte, ging sie zu ihrem Kissen, ließ sich seufzend darauf nieder, ich löschte das Licht und wir schliefen um die Wette bis heute morgen.

Bei der Morgenrunde hatte ich dann auch die Möglichkeit, Nala im Kontakt mit anderen Hunden zu beobachten. Gestern hatte sie schon kurz Gelegenheit Sari, das Schaf, kennenzulernen. Die beiden Hundedamen nahmen kaum Notiz voneinander und verhielten sich völlig unbefangen. Heute trafen wir zuerst mit der Nachbarin zusammen, mit deren Hunden alle meine Pflegis zusammen üben durften. Leider musste die vor zwei Tagen ihren alten Kaspian über die Regenbogenbrücke schicken und die Stimmung war etwas gedrückt. Nala stand abwartend und ohne große Spannung bei mir, als die beiden Hunde unangeleint auf uns zukamen. Mit Betty gab es ein ganz kurzes Beschnuppern, dann wandten die Hündinnen sich wieder voneinander ab. Randy wollte es etwas genauer wissen und Nala von allen Seiten beschnüffeln. Also staksten die beiden ein paarmal mit steifen Beinen umeinander herum. Ich wollte dann mit „Komm, wir gehen weiter“ die Situation auflösen, als Randy offensichtlich eine Grenze überschritt. Nala wehrte seine Annäherung sehr deutlich ab, das ließ Randy sich als gefühlter Rudelchef nicht gefallen und es gab eine ganz kurze Rangelei, die Randy eine Schramme am Ohr einbrachte. Ein Schritt zwischen die Kampfhähne und ein deutliches „Schluss damit“ beendete die Szene. Wir konnten dann den gemeinsamen Spaziergang fortsetzen. Randy hielt die eingeforderte Distanz ein und Nala verhielt sich völlig neutral.

Unterwegs trafen wir dann noch auf Oskar, einen knapp 3jährigen Goldie. Nala sah interessiert zu, wie er die beiden anderen Hunde begrüßte. Dabei konnte ich mich kurz mit Oskars Frauchen verständigen, wie der Kontakt zu Nala ablaufen sollte. Er kam dann freundlich aber stürmisch auf uns zu, war aber angeleint und damit kontrollierbar. Nala stand an ganz lockerer Leine, ich zwei Schritte hinter ihr. Beschnuppern Nase an Nase ließ Nala wedelnd zu. Als Oskar weiter vorrücken wollte, um ihr den Kopf auf die Schulter zu legen, zog sie gleich die Nase kraus. Ich rief sie sofort mit „Nala, hier“ zu mir und vergrößerte den Abstand um ein paar Schritte. Das Abrufkommando haben wir seit gestern immer wieder geübt und mit Leckerchen belohnt, also klappte es auch in dieser Situation. Oskar konnte nicht nachrücken, und so brauchte Nala sich nicht selbst Distanz schaffen. Auch Oskar durfte dann ein paar Hundert Meter im Rudel mitlaufen, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Als wir uns von den Kumpels verabschiedet hatten, begegnete uns noch Ben, ein 10 Monate alter sehr quirliger Labbi. Der ist schon von sehr vielen erwachsenen Hunden zurechtgewiesen worden, ordnet sich auch sehr brav unter, ist aber bei jedem neuen Hund außer Rand und Band. Auch seinem Herrchen konnte ich auf Distanz kurz Nalas Problem schildern und wollte ihn um Zurückhaltung bitten. Leider riss Ben ihm dann die Leine aus der Hand und kam auf uns zugeprescht. Nala nahm ihn zähnefletschend in Empfang, Ben warf sich auf den Rücken, Nala wandte sich ab und ging weg, Ben sprang an mir hoch, ich konnte seine Leine greifen und ihn an sein Herrchen zurückgeben. All das ging blitzschnell. Das Schildern der Situation dauert viel länger als die Situation selbst. Auch mit Ben sind wir dann noch ein Stück Weg gemeinsam gegangen. Nala lief an der Schleppleine 3-4 Meter hinter uns und störte sich überhaupt nicht an Ben. Auch der gab sich recht bald zufrieden, weil seine Spielaufforderungen und Annäherungsversuche durch die Leine kontrolliert und von Nala nicht beachtet wurden.


Es scheint sich also wieder mal zu bestätigen, dass auch Nala ein Hündin ist, die überfordert ist, weil sie zu viele Dinge selbst regeln musste. Sie braucht offensichtlich rein körperlich eine gewisse Distanz und kann die nur durch aggressives Abwehr-Verhalten einfordern, weil ihr sonst niemand dabei geholfen hat. Das ist bei Begegnungen mit anderen Hunden nicht schön, und wenn Sie es gegenüber Menschen und vor allem Kindern zeigt, absolut nicht akzeptabel. Viel Arbeit liegt vor uns - ich bilde mir nicht ein, dass ich das in ein paar Wochen „hinkriege“, aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Strategie finden, ihr die Stress-Situationen zu ersparen, in denen sie sich selbst helfen muss.


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Wer viel erlebt, muss auch viel schlafen...

Nach dem Spaziergang und den vielen aufregenden Erlebnissen ist Nala jetzt so erschöpft, dass sie im Arbeitszimmer auf ihrer Matte liegt und pennt. Davon kann ich auch mal wieder ein Beweisfoto liefern. Bei den Hundebegegnungen ist dafür keine Zeit, da braucht der Hund die volle Aufmerksamkeit des Hundeführers...

Es wird noch viel zu beobachten und zu analysieren sein. Wir melden uns in Kürze mit einem neuen Bericht.

SHWet
19.05.2021, 20:53
...dann hat Ulrike ein Paket für einen Patenhund verschickt. Heute war Nala die glückliche Emfängerin. Als wir nachmittags vom Spaziergang kamen, stand es vor der Haustür.


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Vorsichtig haben wir es ins Wohnzimmer geschafft und Nala hat es sorgfältig von allen Seiten beschnüffelt. (Ich muss gestehen, ich war ein bisschen besorgt, weil Nala ihre Ressourcen gelegentlich sehr energisch verteidigt. Sollte ich das Auspacken wirklich in ihrer Reichweite erledigen...?) Nur Mut! Also das Paket geöffnet und den reichen Segen Schicht für Schicht zum Vorschein gebracht.


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Leckerchen in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen - das reinste Schlaraffenland...

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Ein „komischer Vogel“ und das Vereinshorn werden vorsichtig kontaktiert...

Maulkorb, Halsband, Geschirr, Leine... Alles vom Feinsten und für einen Hund, dessen Ausstattung schon ein bisschen „angegammelt“ war, wirklich sehr gut zu gebrauchen.


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Tütenweise Kauartikel.... Natürlich gab es davon gleich eine Kostprobe.


Ich befürchte, dass Nala nun das Wohnzimmer bewacht. Grund dazu hätte sie genug!
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Nach der ganzen Auspackaktion und dem vielen Freuen über die schönen Sachen war der Hund erstmal geschafft. Dann hat sie sich aber nochmal näher mit dem „komischen Vogel“ beschäftigt.

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https://youtu.be/QOfKxHdOVoM

Schließlich haben wir mit wohlschmeckender Geflügelcreme auch noch das erste Mauli-Training absolviert. Wenn Nala dabei so genüsslich die Augen schließt, bin ich zuversichtlich, dass sie das Ding bald akzeptiert.

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Liebe Ulrike,
wir sind absolut überwältigt von Deinem großzügigen Geschenk. Vielen, vielen Dank dafür!

SHWet
23.05.2021, 22:24
Nein, hüten muss man sich vor Nala nicht, aber man sollte behutsam mit ihr umgehen, um nicht Missverständnisse auszulösen. Seit 10 Tagen ist das Labbi-Mädel jetzt bei mir und ich habe sie bisher als ruhige und genügsame Hündin kennengelernt. Noch haben sich meine Beobachtungen nicht zu einem geschlossenen Bild von Nala geformt. Einiges in ihrem Verhalten gibt mir noch Rätsel auf. Entsprechend vorsichtig wird sie behandelt. Am liebsten scheint es ihr zu sein, wenn sie einfach nur dabei ist, man ihr aber keine besondere Aufmerksamkeit schenkt. Stundenlang liegt sie ausgetreckt oder zusammengerollt auf ihrer Matte und schläft, wenn ich am PC beschäftigt bin. Wenn sie wach ist, beobachtet sie mich meist aufmerksam aus dem Hintergrund. Schaue ich dann zu ihr hin, wedelt sie, wendet aber den Blick ab oder zeigt andere Beschwichtigungssignale. Erst wenn ich aufstehe, erhebt sie sich ebenfalls, reckt und streckt sich, schüttelt sich und schaut, was ich als nächstes mache. Wenn ich es zulasse, folgt sie mir, sobald ich den Raum verlasse. Ich kann sie aber auch mit „Warte“ zurücklassen und die Tür schließen, ohne dass sie jammert oder randaliert.

Nala soll möglichst viel Kontakt zu Menschen haben, die sich ihr aber nicht aufdrängen. Besuch, der zu uns kommt, wird vorher entsprechend instruiert und auch, wenn wir jemanden besuchen, oder auf unseren Spaziergängen treffen, bitte ich, Nala zu ignorieren. „Tut einfach so, als wäre hier kein Hund“. Das scheint ihr Sicherheit zu geben und sie verhält sich ziemlich entspannt. Es ist ihr offensichtlich unangenehm, wenn jemand einfach auf sie zugeht, um sie anzusprechen oder gar anzufassen - da kräuselt sich schonmal blitzartig der Nasenrücken oder sie grummelt und verbellt ihr Gegenüber. Ich habe mir vorgenommen, jede ihrer Warnungen zu beachten, denn ein Hund schnappt ja nicht „aus heiterem Himmel“ zu, sondern setzt das erst ein, wenn seine Warnungen nicht beachtet sondern getadelt oder gar bestraft wurden. Ich möchte sie nach Möglichkeit gar nicht erst in Situationen führen, wo sie selbst Abwehrverhalten zeigen muss. Ich regle das künftig für sie!

Eine deutliche Warnung habe ich in den ersten Tagen in folgender Situation kassiert: Ich kam aus dem Badezimmer und Nala saß wartend im Flur. Ich zog ein Taschentuch aus der Hosentasche und dabei fielen einige Leckerchen heraus. Nala wollte sich gierig darauf stürzen und ich wollte ihr den Zugriff mit „Nein!“ und einem Schritt zwischen Hund und Futter verwehren. Nala duckte sich vor mir zusammen und fletschte die Zähne in meine Richtung. Wir erstarrten beide, dann wandte ich Blick und Oberkörper ab und Nala zog sich ein paar Schritte von mir zurück. Ich wollte mich auf dem engen Raum nicht nach den Leckerchen bücken und habe sie im Weggehen für Nala mit „Nimm“ freigegeben. Selbst wenn Nala das als Punktsieg bei der Ressourcenverteidigung für sich verbucht, war mir die Deeskalation in der Situation wichtiger. Bei den normalen Fütterungen zeigt sie sich durchaus diszipliniert und wartet im Sitz, bis ich den Napf abgestellt und freigegeben habe. Leckerchen aus der Hand nimmt sie gelegentlich auch sehr hastig und unvorsichtig ab, das wird aber durch Üben langsam besser.

Gelegentlich zeigt Nala ohne erkennbaren Anlass wahre Anfälle von Schmusigkeit. Sie schmiegt sich dann ganz eng an meine Beine, schiebt ihre Schnauze unter meinen Arm und möchte offensichtlich gekrault werden. Das mache ich dann auch bereitwillig, ist es doch die beste Gelegenheit, das Tier nach Zecken abzusuchen. Sobald ich aufhöre, fordert sie mich auf weiterzumachen. Dabei legt sie mir auch schonmal die Pfote aufs Knie, gelegentlich sogar beide. Wenn ich sie dann nicht zurückschiebe, rückt sie mit dem ganzen Oberkörper nach, so dass ich plötzlich den halben Hund auf dem Schoß habe. Wenn sie mir dann noch die Schnauze auf die Schulter legt und mir ins Ohr schnauft, bin ich nicht wirklich tiefenentspannt... Ich schaue dann von ihr weg, stelle das Kraulen und Streicheln ein und schiebe sie ganz sanft zurück. Vorhin bin ich dann ganz dicht an den Schreibtisch herangerückt, um ihr den Weg auf den Schoß zu blockieren. Daraufhin richtete sich Nala auf die Hinterbeine auf und legte mir von hinten die Pfoten auf die Schulter. Auch ein Gänsehautgefühl! Auch da konnte ich sie durch Hinunterbeugen abgleiten lassen.


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Power-Schmusen

Heute Nachmittag habe ich sie zum ersten Mal gebürstet. Das schien ihr zu gefallen, denn sie blieb freiwillig vor mir stehen, drückte sich an meine Knie und schmiegte sich geradezu an die Bürste.


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Nala genießt das Bürsten

Wenn ich das Arbeitszimmer oder die Küche verlasse, kommt Nala freundlich wedelnd hinter mir her. Nehme ich dann die Leine auf, kommt sie von sich aus auf mich zu und lässt sich ruhig anleinen, so dass wir nach draußen gehen können. An der Tür lässt sie mir bereitwillig den Vortritt. Wenn ich ihr Brustgeschirr zur Hand nehme, weicht sie vor mir zurück. Auch das lasse ich ihr durchgehen, um sie nicht zu bedrängen. Sie läuft auch an der Schleppleine so entspannt, dass ein breites Halsband für unsere Spaziergänge genügt.

Es gibt noch eine Reihe weiterer interessanter Beobachtungen. Das schildere ich dann in den nächsten Beiträgen. Ich hoffe sehr, dass sich Nalas Misstrauen nach und nach legt und unser Zusammenleben allmählich durch Vertrauen und Sicherheit geprägt sein wird. Das ist noch ein weiter Weg, aber die ersten Schritte haben wir getan...

SHWet
26.05.2021, 22:06
...und der Fachmann wundert sich! Heute habe ich Nala meiner Tierärztin vorgestellt. Schon bei der Terminvereinbarung habe ich darauf hingewiesen, dass die Hündin wegen „Schnappigkeit“ abgegeben wurde, und dass wir noch in der Kennenlernphase stecken. Frau Doktor war also gewarnt und versprach, sich viel Zeit zu lassen. Zur Vorbereitung hatten wir ja auch täglich an der Maulkorbgewöhnung gearbeitet. Patentante Ulrike hatte uns einen leichten, blauen Plastikkorb geschickt. Die liebe Nicole hat einen längeren Nackenriemen aus Fettleder drangebastelt und ich habe vorne noch ein Loch reingebohrt. Mit dieser Sonderanfertigung haben wir dann jeden Tag geübt. Immer zu anderen Zeiten und an verschiedenen Orten und mit diversen Leckereien. Ziemlich rasch signalisierte Nala gespanntes Interesse, wenn ich den Korb zur Hand nahm, und konnte es kaum erwarten mit dem Hörzeichen „Mauli“ die Schnauze reinzustecken und die Leberwurst herauszuschlecken. Nach einigen Tagen konnte ich dann auch den Nackenriemen schließen und durch das gebohrte Loch weiter füttern. Nala war immer mit Begeisterung dabei.


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Nicole hilft bei der Anpassung des Maulis

Heute sollte nun die Bewährungsprobe sein, denn ich konnte mir gut vorstellen, dass Nala sich Untersuchung und Behandlung nicht gutmütig gefallen lassen würde. Schließlich reagiert sie auf Bedrängen mit sehr deutlicher Abwehr, wenn sie nicht ausweichen kann. Obwohl es mit dem Maulkorbtraining ja sehr gut geklappt hatte, machte ich mir doch ziemliche Sorgen, ob Nalas Vertrauen in mich nicht wieder erschüttert würde, wenn ich sie bei einer unangenehmen Behandlung festhalten müsste. Na ja, notfalls könnte man Impfen, Chippen und Krallenschneiden noch verschieben. Nur der allgemeine Gesundheitscheck und die Behandlung des geröteten und juckenden Ohres mussten sein.

Wegen der Pandemie ist der Wartebereich in der Praxis geschlossen und man wartet nach der Anmeldung draußen. Nala stand wedelnd vor der Tür und begehrte Einlass. Als die Helferin uns hereinließ, drängte Nala an ihr vorbei, die Treppe hoch und sofort Richtung Sprechzimmer. Was war denn bloß mit dem sonst eher zurückhaltenden Hund los? Ich hatte doch schon oft erlebt, dass Nala ausweicht, wenn man sie direkt anspricht und ihr zu nahe kommt. Frau Doktor hatte aber anscheinend eine einschmeichelnde Stimme und ganz besonders gute Leckerchen, hielt diese in den Händen dicht am Körper und blieb einfach aufgerichtet stehen. Nala zögerte überhaupt nicht, auf sie zuzugehen und um Leckerlies zu betteln, die ihr dann auch in kleinen Stückchen aus der Hand gefüttert wurden. Dabei konnten wir uns ganz entspannt über die notwendigen Untersuchungen verständigen. Ganz beiläufig wurden dabei dann die Ohren umgeklappt und inspiziert. Nala zeigte kein Abwehrverhalten. Für die weiteren Untersuchungen sollte der Hund dann auf den Tisch. Ich wollte kein Risiko eingehen beim Heben und Festhalten und nahm den Maulkorb zur Hand. Nala steckte sofort die Schnauze rein und schleckte genüsslich ihre Leberwurst. Gemeinsam mit der Helferin hob ich sie auf den Tisch und hielt sie da am Halsband fest. Abhorchen und Kontrolle der Krallen ohne Gegenwehr. Zum Impfen und Chippen hatte ich Nala dann im „Schwitzkasten“ - alles kein Problem, Hauptsache der Leberwurst-Nachschub blieb nicht aus. Runterheben vom Tisch, Maulkorb ausziehen, Weiterfüttern - Nala offensichtlich völlig entspannt und ich total erleichtert. Das hatte ich so nicht erwartet!

Natürlich heißt das nicht, dass Nala sich nun von allen Menschen ansprechen, anfassen und füttern lässt. Sie bleibt weiterhin ein bisschen misstrauisch und geht lieber auf Abstand. Es ist aber sehr vielversprechend, dass sie bei den richtigen „Hundemenschen“ keine Berührungsängste zeigt. Zuhause habe ich dann die Ohrentropfen wieder mit Maulkorb verabreicht. Auch, wenn sie mich bisher nicht abwehrt, geht die Sicherheit vor.

SHWet
04.06.2021, 20:06
Vertrauen aufzubauen ist eine langwierige Sache, und deshalb lassen wir uns auch viel Zeit damit. Ich habe aber den Eindruck, dass bei Nala und mir in den drei Wochen Pflegezeit schon einiges passiert ist. Annäherung kann immer nur gegenseitig sein, und so tasten wir uns langsam immer näher aneinander heran. Nala ist im Grunde sehr verschmust und hat ja bereits in den ersten Tagen die beschriebenen Schmuse-Attacken gezeigt. Inzwischen verteilen sich die Schmusestunden gleichmäßiger über den Tag und ich kriege keine Gänsehaut mehr, wenn der Hund sich so aufdrängt. Nach meinem Eindruck genießt Nala es, von mir gekrault zu werden. Inzwischen gestattet sie, dass ich sie überall anfasse und lässt sich auch das Zeckenentfernen an fast allen Stellen gefallen. (Ich hoffe, dass das aufgetragene Spot on nun endlich wirkt, und die fiesen Achtbeiner Nala endlich meiden!) Noch immer achte ich sorgfältig darauf, ob Nala beim Kraulen oder Streicheln irgendwelche Abwehrzeichen sehen lässt, und höre dann sofort auf. Meist stupst sie mich aber sofort aufmunternd an, schiebt mir schnaufend den Kopf unter den Arm, oder legt mir die Pfote aufs Knie. Manchmal mache ich dann weiter mit Schmusen, manchmal lasse ich mich nicht erweichen. Wenn ich auf Nalas Forderungen nicht eingehe, geht sie meist beiseite und legt sich hin.

Vor ein paar Tagen hatten wir Besuch und saßen abends in angeregter Unterhaltung auf der Terrasse. Dabei fiel mir auf, dass Nala sich deutlich fordernder verhielt und meine Streicheleinheiten ziemlich penetrant einforderte. Ich habe ihre Bemühungen einfach ignoriert, damit sie mich nicht für sich vereinnahmt, auch wenn meine Aufmerksamkeit mal anderen gilt. Irgendwann schien sie sich damit abgefunden zu haben, kam aber auch nicht wirklich zur Ruhe. Erst als ich ihre Matte nach draußen geholt und neben meinen Stuhl gelegt hatte, rollte sie sich zufrieden zusammen und schnarchte leise vor sich hin.

Nala ist ziemlich wachsam und meldet ungewöhnliche Geräusche oder Besucher durch Gebell. Die ersten Tage war es etwas lästig, dass sie nachts bei jedem Käuzchenruf und jedem Katzengejammer meldete. Inzwischen hat sie sich aber daran gewöhnt und bleibt ruhig. Besucher verbellt sie zwar zunächst kurz, geht dabei aber freundlich wedelnd auf sie zu, um an ihnen kurz zu schnuppern. Bei Ansprache, oder gar einer ausgestreckten Hand weicht sie deutlich aus - ich verlange auch nach wie vor von allen, Nala nicht einfach anzufassen. Neulich saßen wir mit Gästen beim Kaffeetrinken auf der Terrasse. Nala wurde nicht weiter beachtet und konnte so ganz beiläufig mal an fremden Menschen schnuppern. Schließlich setzte sie sich zwischen mich und meinen Vetter, lehnte sich an seinen Stuhl und schaute zu mir. Mein Vetter freute sich über diese offensichtliche Annäherung und berührte sie nach Ansprache vorsichtig um sie zu streicheln. Sofort blickte ich in ein deutlich geblecktes Hundegebiss und konnte mit „Vorsicht, sie droht!“ die Situation unterbrechen. Glücklicherweise hatten wir vorher bereits über Nalas Verhalten gesprochen, und ich hatte erklärt, dass vermutlich das Bestrafen ihrer Warnungen zu ihrer „Schnappigkeit“ geführt hatte. So entstand bei dem Vorfall kein Stress, der Vetter zog die Hand zurück, ich blickte in eine andere Richtung und fühlte gleich darauf Nalas Stupsen an meinem Arm. Ein kurzer Streichler über den Rücken, dann wurde der Hund wieder ignoriert und legte sich auch gleich darauf hin.

Bei einigen wenigen Menschen hat Nala bisher diese Distanziertheit nicht gezeigt. Nicole gehört dazu, die Tierärztin und neulich auch eine befreundete Hundetrainerin. Entweder haben die einfach die besseren Leckerchen, oder sie sind so sicher in ihrem Verhalten Nala gegenüber, dass keine Berührungsängste aufkommen.


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Mit den richtigen Menschen ist der Kontakt schon bei der ersten Begegnung möglich

Gestern abend war ich mit Nala bei eine alten Dame zu Besuch. Die Begrüßung fand draußen am Auto statt (freundliches Gewedel auf Distanz), dann betraten wir die fremde Wohnung. Nala wirkte sehr sicher und durfte mit Erlaubnis der Dame frei laufen. Sie stöberte durch die Räume, schnupperte ausführlich überall herum und kam zu uns in Arbeitszimmer zurück. Dort legte sie sich vor meine Füße und blieb ganz entspannt, während wir am PC eine Online-Bestellung aufgaben. Anschließend saßen wir noch ein Weilchen draußen. Auch dabei war Nala die Ruhe selbst. Eine Weile beobachtete sie durch die Terassentür, wie innen im Wohnzimmer der Saugroboter seine Arbeit verrichtete - sind fand das offenbar nur interessant, nicht irritierend oder gar bedrohlich.

Immer wieder kommt es vor, dass Nala sich vor oder auf meine Füße legt und sich dann sogar auf den Rücken dreht. Ich werte das mal als Vertrauensbeweis und traue mich dann auch, sie am Bauch zu streicheln.


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Das sieht doch ganz entspannt aus, oder?

Auch für das Verabreichen der Ohrentropfen brauchen wir inzwischen den Maulkorb nicht mehr. Ich habe bei Nala kein Ausweichen und kein Abwehren festgestellt und deshalb auf den Korb verzichtet. Nala sitzt bei der Prozedur zwischen meinen Knien, ich klappe das Ohr um, tropfe das Medikament hinein, massiere das Ohr ein wenig und belohne Nala mit einem guten Häppchen. Heute morgen lag sie schlafend auf ihrer Decke und kam ohne Aufforderung zu mir, als ich das Fläschen schüttelte. Was will man mehr?


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Ohrmassage und Quarkbecher ausschlecken zur Belohnung

SHWet
11.06.2021, 15:04
5 Jahre jung ist das Mädel geworden, und deshalb gab es das Frühstück heute mal in besonderer Form:

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...und geschmeckt hat es offensichtlich auch!


https://youtu.be/LGyVbUHZO9k

SHWet
17.06.2021, 23:57
Bis vor einigen Tagen hätte ich behauptet, Nala kennt anscheinend kein Spielen oder hat kein Interesse daran, oder traut sich nicht... Jetzt ahne ich, dass man nur genug Geduld aufbringen muss, um erste Anzeichen von Spielfreude und sogar Übermut bei Nala zu sehen.

In den ersten Tagen hat sie alle angebotenen Spielzeuge und Spielformen völlig ignoriert und ließ sich auch nicht animieren. Beim Auspacken des großartigen Patentanten-Paketes hat sie sich dann ja doch für den „komischen Vogel“ interessiert und sich eine Weile spielerisch damit beschäftigt (s. Video im Beitrag vom 19.5.). Sobald ich mitspielen wollte - ob nur durch ermunternde Ansprache oder einen Griff ans Spielzeug - hörte Nala auf zu spielen und ging weg. Das Verhalten wirkte nicht unsicher oder ängstlich, sondern irgendwie antrainiert, als würde sie auf eine gezielte Provokation mit Ignorieren reagieren. Üblicherweise lasse ich Spielzeug ja nicht zur freien Verfügung herumliegen, bei Nala habe ich genau das getan, weil sie meine Spielaufforderungen überhaupt nicht beachtet hat. Allmählich kam es dann vor, dass Nala sich das Stofftier griff, es ein paar mal heftig durchknautschte und es mir zuweilen auf Abstand sogar stolz mit hochgerecktem Kopf und heftig wedelnd präsentierte. Das passierte vor allem dann, wenn sie sich über irgendetwas freute, z.B. wenn jemand nach Hause kam. Irgendwann durfte ich dann auch mal das Spielzeug anfassen und ein bisschen daran rütteln, ohne dass Nala sich sofort zurückzog. Und irgendwann kam sie sogar mit dem Vogel zu mir in die Küche gerannt und forderte mich zum Mitspielen auf. Diese Phase hielt mehrere Minuten an und es gelang mir sogar, eine Szene auf Video festzuhalten. Ich finde, man sieht darauf recht gut, dass sie diesen spielerischen Beutekampf durchaus beherrscht - sie traut sich normalerweise wohl nur nicht.



https://youtu.be/IAB1RNxkmsU
Endlich darf ich mal mitspielen...

Ähnliches ließ sich auch im Freien beobachten: Nala war auch da nicht für ein Spiel mit dem Kong oder mit dem Ball zu begeistern. Ganz selten nahm sie von sich aus mal ein Stöckchen auf, um darauf herumzuknabbern. Erst vor ein paar Tagen entdeckte sie beim Herumstöbern im Garten ein Stück Brennholz, das wohl schon Felix herumgeschleppt hatte. Das fand nun ihr Interesse und sie präsentierte es mir in der beschriebenen Weise, legte sich dann vor meine Füße und benagte ihren Knüppel. Dieses Holzstück holt sie sich jetzt häufiger, hält es mir hin und freut sich, wenn ich es anfasse. Ich kann es ihr sogar abnehmen und wegwerfen - sie holt es (meist allerdings nur ein- bis zweimal) zurück. Mit dem Ball oder Kong ist mir das noch nicht gelungen.


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Das muss wohl ein ganz besonderes Stück Holz sein...


Als wir neulich beim Morgenspaziergang eine Pause einlegten und uns auf einen umgestürzten Baum setzten, fing Nala auch da an zu schreddern. Fast 15 Minuten lang war sie beschäftigt, einen großen Ast zu zerlegen.


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Auch vor größeren Aufgaben macht Nala nicht Halt


Viele Hunde lassen sich ja auch gern von Menschen zu Rennspielen animieren. Nala zeigte zunächst da auch kein Interesse. Die ersten Wochen war sie überwiegend in ihrem etwas watschelnden Passgang unterwegs. Allmählich wechselte sie dann auch mal in einen leichten Trab und gelegentlich kam sie sogar auf mich zugerannt - insbesondere, wenn ich mich unbemerkt von ihr entfernt hatte. Vor ein paar Tagen stand ich plaudernd mit der Nachbarin zusammen. Sie stand mit ihren beiden Hunden ein paar Meter vor mir und Nala wuselte an der Schleppleine hinter mir herum. Als ich mich zu ihr umdrehte, sah ich nur noch die Schleppleine in einer Hecke verschwinden. Ich beugte mich vor, schaute durch die Lücke und sah Nala in vielleicht drei Metern Entfernung im Laub schnüffeln. „Suchst Du was Bestimmtes?“ rief ich ihr zu und klatschte auffordernd in die Hände. Wie eine Kanonenkugel kam der Hund aus der Hecke geschossen, sprang mir vor die Füße, sprang an mir hoch, umkreiste mich mehrmals und drängte sich „Ganzkörperwedelnd“ an meine Knie. Leider musste ich diesen Ausbruch von Übermut ja schnell wieder beschwichtigen, denn erstens war Nala noch an der Leine und zweitens standen ja noch die beiden andern Hunde dabei und für ein Renn- und Raufspiel mit anderen Hunden ist Nala noch nicht souverän genug.

Ich freue mich auf jeden Fall darüber, wenn bei Nala solche Verhaltensweisen „aufblitzen“ und sie damit zeigt, dass sie doch weiß, was Spielen und Toben ist.

Auch im Umgang mit fremden Menschen zeigt sich Nala allmählich sicherer. Sie nähert sich in der Regel vorsichtig, aber neugierig und weicht auch bei Ansprache nicht gleich zurück. Ich empfehle immer noch, Nala nicht sofort anzufassen, aber gelegentlich kommt es zu flüchtigen Berührungen, die Nala dann auch nicht abweist.

SHWet
03.07.2021, 23:10
Nalas Entwicklung macht weiterhin gute Fortschritte. Sie hat sich in den Wochen unserer Pflegezeit sehr eng an mich angeschlossen und fühlt sich in meiner Gegenwart anscheinend sicher. Ich versuche allerdings auch bei jeder Begegnung dafür zu sorgen, dass Nala weder durch Zwei- noch durch Vierbeiner bedrängt wird. Das ist gar nicht so furchtbar aufwändig - mit ein bisschen Management hat man mit Nala eine leichtführige und angenehme Begleiterin an der Leine. Außerdem ist sie auch zu Hause, im Garten oder im Büro ein ruhiger, anspruchsloser Hund. Ich schildere mal ein paar unserer alltäglichen Situationen:


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Spazierengehen im Gänsemarsch


Beim Spazierengehen in Wald und Feld läuft Nala nach wie vor an einer 10m-Schleppleine. Sie passt sich sehr gut an meine jeweilige Gehgeschwindigkeit an und zieht überhaupt nicht an der Leine. Gern schnuppert sie sehr ausführlich an interessanten Stellen, ohne dabei aber aufgeregt zu stöbern oder Fährten intensiv zu verfolgen. Wenn ich Zeit habe, bleibe ich stehen und lasse sie in aller Ruhe jeden Grashalm und jedes Blättchen abschnüffeln, wenn ich weitergehen will, kommt sie auf „Nala, komm!“ sofort mit. Wenn wir Spaziergängern, Joggern, Radfahrern, Reitern oder anderen Personen begegnen, rufe ich Nala an meine Seite und weiche mit ihr so aus, dass ich immer zwischen ihr und den entgegenkommenden Menschen bin. Unterstützt durch ein Leckerchen aus der Hosentasche zeigt sie in der Situation hohe Konzentration und interessiert sich nicht für die Vorbeigehenden. Deutlich höhere Spannung zeigt Nala, wenn uns andere Hunde begegnen, aber auch da kann ich sie zu mir rufen, obwohl sie gelegentlich den entgegenkommenden Hund fixiert und eine geduckte Körperhaltung einnimmt. Das Leckerchen ist ihr auf jeden Fall wichtiger und sie beachtet dann die vorbeigehenden Hunde kaum. Mit vielen Leuten trifft man sich ja regelmäßig und Nala bleibt ganz gelassen, auch wenn man mal zusammen stehenbleibt und sich ein wenig unterhält. Wichtig ist nur, dass die anderen Hunde und Menschen keinen Körperkontakt zu Nala aufnehmen. Es stört sie überhaupt nicht, wenn ein knapp 1-jähriger Basset-Rüde sie lautstark anbellt, weil er nicht zu ihr darf, sie hat aber einen 10 Monate alten Labbi, der sich ihr stürmisch aber total unterwürfig näherte, sofort attackiert, als er die Distanz unterschritt. Mit Randy und Betty gehen wir fast jeden Morgen zusammen spazieren. Die Hunde halten von sich aus die notwendigen Abstände ein - wir müssen nur aufpassen, dass es nicht an interessanten Schnüffelstellen zu zu engem Kontakt kommt. Auch dabei ist Nala schon ausgerastet - das muss man nicht unbedingt wiederholen!

Wenn wir in dieser Dreier-Gruppe noch weiteren Hunden begegnen, weiche ich mit Nala möglichst weit aus. Es stört sie aber offensichtlich nicht, wenn Randy und Betty ihre Kumpels begrüßen - Hauptsache, die rücken ihr nicht auf die Pelle... Gelegentlich kommt es natürlich vor, dass uns unangeleinte Hunde begegnen, die sich nicht zurückrufen lassen, obwohl ich die Hundeführer warne, dass Nala nicht zuverlässig freundlich ist. Bisher ist es glücklicherweise immer gutgegangen. Ein junger Schäferhundmischling blieb ruhig stehen und ließ sich von Nala beschnuppern, ein kleiner, ziemlich aufdringlicher Terrier blieb bei Nalas Drohung außer Reichweite und eine etwas unsichere Jagdhündin konnte ich mit „Hau ab, Mädel!“ verscheuchen. Es scheint mir wichtig zu sein, dass ich bei solchen unvermeidlichen Begegnungen möglichst ruhig bleibe, dass Nala dicht bei mir, aber an lockerer Leine steht. Ich lenke sie dann auch nicht mehr mit Leckerchen ab, denn sie muss die Annäherung sehen und der andere Hund muss ihre Signale erkennen können. Ab nächster Woche trainiere ich nach monatelander Pause wieder mit meiner gemischten Hundegruppe. Auch da wird Nala Gelegenheit haben, verschiedene Hunde kennenzulernen und die Erfahrung machen, dass niemand sie bedrängt, weil ich es nicht zulasse.

Auch Nalas Verhalten anderen Menschen gegenüber ist viel unbefangener geworden. Eine Bekannte, die Nala Ende Mai hier zu Hause kennengelernt hatte und die jetzt, vier Wochen später, wieder zu Besuch war, meinte, der Hund habe sich total verändert. Sie habe einen ganz anderen Gesichtsausdruck, wirke viel aufgeschlossener und neugieriger und ließ sich sogar von ihr kraulen. Ich freue mich sehr, dass andere Menschen das bestätigen, was ich auch selbst an Nala feststelle.

Im Juni war ich an mehreren Tagen bei einer alten Freundin zu Gast und habe mir mit ihr Konzerte des Leipziger Bach-Festes angesehen. Mit ihrer Erlaubnis durfte sich Nala in der Wohnung frei bewegen, was sie auch völlig unbefangen tat. Der Garten wird von mehreren Parteien genutzt und Nala verbellte die Nachbarn, die zum Blumengießen draußen waren. Bei den Fernsehübertragungen der Konzerte lag Nala ganz entspannt neben mir und schlief, selbst als noch weitere Gäste anwesend waren. Schon beim zweiten Besuch begrüßte Nala die Gastgeberin freundlich wedelnd und ließ sich dann auch anfassen und mit Leckerchen füttern.


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Labbi-Liebe geht durch den Magen...


Gestern war ich wieder mit Nala in einem fremden Haushalt mit zwei fremden Personen, die aber beide hundekundig sind. Nala durchstöberte unbefangen Haus und Garten und lag schließlich ganz entspannt bei uns im Ankleidezimmer, wo wir einen großen Kleiderschrank „ausmisten“ mussten. Wir konnten sogar über sie hinwegsteigen, ohne dass sie sich daran störte.

Ein paar Mal hatte ich Nala auch schon mit im Büro. Beim ersten Mal hat sie mein Büro bellend verteidigt, als sich ein Kollege etwas zaghaft der offenen Tür näherte. Inzwischen schlägt sie kurz an, wenn es an der Tür klopft, lässt sich aber gleich beschwichtigen und akzeptiert problemlos, wenn jemand hereinkommt.


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Ein entspanntes Schläfchen

Leider weiß ich immer noch nicht, was genau Nalas „Schnapper“ auslöst, ich denke aber, sie lernt allmählich, mit Gelassenheit an neue Situationen heranzugehen und der „Chefin“ die Regelung aller Angelegenheiten zu überlassen. Vom Wesen her ist sie ein liebenswerter, ruhiger, verschmuster und verfressener Hund. Sie freut sich, wenn man sich mit ihr beschäftigt, liegt aber auch stundenlang bei mir, wenn ich zu arbeiten habe. Sie fährt gern im Auto mit und bleibt dort auch problemlos allein, wenn ich Besorgungen mache und sie nicht mitnehmen kann. Auch zu Hause kann ich sie schon 2-3 Stunden allein lassen. Als weltbestes Zuhause für Nala stelle ich mir einen ruhigen Haushalt vor und eine souveräne Hauptbezugsperson, die ihr Sicherheit, Führung, Zeit und ganz viel Liebe gibt - sie gibt dafür soviel zurück!


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Hab' mich lieb...

Mi&Ni
22.08.2021, 17:56
Hallo liebe Tagebuchleser,

ich bins wieder, Eure Nala.

Bei Pflegefrauchen bin ich zwar schon Kulturhund geworden,
aber diese Woche war doch ein bisschen viel los auf der Arbeit.
Da hat mich Pflegefrauchen kurzerhand verliehen.

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Die "Vertretung" hat mich aber gut bespaßt.
Wir haben viele schöne Wanderungen unternommen
und wenn es mal mit mehreren Hunden wuselig wurde,
habe ich einfach meinen Mauli angezogen.
Der steht mir sowieso sehr gut
und schnüffeln kann ich damit auch.
Wenn ich die Nase tief genug in den Bach stecke
kann ich sogar damit trinken.

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Und schmutzig machen geht auch

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Ansonsten haben wir uns gut arrangiert

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Und das schönste am Wandern sind ja
sowieso die Pausen

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Die Vertretung sagt, ich bin so eine leichtführige Hündin,
die Kommandos "beide rechts" oder "links gehen"
habe ich sofort umgesetzt.
Auch "ich geh vor" habe ich von der Vertretung direkt akzeptiert.
Andere Hunde interessieren mich gar nicht,
auch an "Leinenpöblern" gehe ich ruhig vorbei.

Im Haus bewege ich mich völlig unbefangen
und wir Hunde gehen uns einfach aus dem Weg.

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Insgesamt hatten wir also eine tolle Woche,
aber so ein richtiges für immer Zuhause wäre schon toll.

Jetzt warte ich erstmal völlig erschöpft auf meine Pflegemama

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Bis bald sagt Eure Nala

SHWet
12.09.2021, 20:26
...liegen jetzt hinter uns.

Nala ist inzwischen seit mehr als vier Monaten bei mir in Pflege und wir mussten uns im Laufe der Zeit einigen besonderen Herausforderungen stellen.

Es fing damit an, dass die Tierärztin an Nalas Gesäuge einen Tumor feststellte, der Anfang August herausoperiert wurde. In der gleichen Narkose wurde die Hündin dann auch noch kastriert. Die ersten Tage waren für Nala nicht sehr angenehm. Zwei stattliche Operationswunden am Bauch, die natürlich ziepten und juckten, dann noch so einen blöden Body am Leib, in dem sich der Hund nicht wirklich wohl fühlte und dann noch ein Pflegefrauchen, das den Hund nicht aus den Augen ließ und sich immer einmischte, wenn man doch mal lecken oder kratzen wollte...


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Nalas "Schnittmuster" am Bauch

Trotz allem muss ich aber sagen, dass Nala eine sehr brave Patientin war. Die meiste Zeit hat sie einfach geschlafen - am liebsten in eine Kuscheldecke gewickelt. Das ständige Aufsichtführen war sehr notwendig und vor allem nachts etwas anstrengend, aber Nala war nicht bereit, einen Kragen zu akzeptieren, der die Wunden schützt. Wir hatten das im Vorfeld der OP zwar einigemale geübt: Kragen anlegen, füttern, streicheln, loben - ich konnte nicht erreichen, dass sie sich mit dem Kragen halbwegs entspannt und sich z.B. auch mal damit hingelegt hätte. Nach der OP wich sie deutlich vor mir zurück, als ich den Kragen zur Hand nahm und bleckte schließlich sogar die Zähne. Da ich ihre Warnungen grundsätzlich akzeptiere, haben wir es dann anders gelöst. Beim Schlafen kam ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder vor Nalas Lager, und ich bin anscheinend immer rechtzeitig aufgewacht, wenn der Hund sich kratzen wollte.


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Eine brave Patientin

Nach einer Woche mussten wir nochmal zur Nachbehandlung in die Praxis, weil sich Wundsekret unter der Naht gestaut hatte. Am 12. Tag wurden dann die Fäden und Klammern entfernt. Obwohl diese Behandlungen für Nala nicht angenehm waren - sie wurde mit einem Maulkorb gesichert, auf die Seite gelegt und von 2 Personen festgehalten, während die Ärztin sie behandelte, geht sie immer noch sehr gern in die Praxis. Schon auf dem Weg ins Wartezimmer drängt sie nach vorn, und sobald die Tür zur Praxis aufgeht, gibt es kein Halten mehr. Wahrscheinlich erinnert sie sich an die Fülle von Leckerchen, die sie bei ihrem ersten Besuch dort bekommen hat. Inzwischen sind auch die Haare unter dem Bauch wieder gut nachgewachsen und man sieht von den Narben nur noch feine rote Linien.


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Ein entspanntes Büroschläfchen

Gleich nach Nalas Genesung hatte ich dann eine sehr arbeitsintensive Projektwoche, bei der meine Präsenz am Arbeitsplatz rund um die Uhr gefordert war. Schon die Vorbereitung war zeitaufwändig, aber da konnte ich Nala fast überallhin mitnehmen. Wegen der noch empfindlichen Narben wollte ich sie da noch nicht längere Zeit im Auto lassen. Nala ist eine vorzügliche Begleiterin. Sie geht mit mir ohne zu zögern überall hin.


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Wir sind in verschiedenen Aufzügen gefahren, haben im Konzertsaal das Parkett ausprobiert, durften sogar im Theater den Tanzboden betreten und waren in dunklen Kellergewölben unterwegs. Während des Projektes habe ich dann sichergestellt, dass mein Auto zuverlässig im Schatten stand. So konnte Nala vormittags dort bleiben - unterbrochen von den notwendigen Pinkelpausen - und ab mittags konnte dann unsere Pflegestellenbetreuung als „Tagesmutter“ einspringen. (Der Bericht dieses Vertretungsfrauchens steht bereits mit vielen schönen Bildern im Tagebuch.) Inzwischen arbeite ich fast täglich wieder im Büro. Wenn kein Publikumsverkehr ist, liegt Nala einfach schlafend unter dem Schreibtisch, oder begleitet mich in die Bibliothek oder das Archiv. An der Bürotür hängt ein Schild, das vor Nala warnt - aber i.d.R. warnt sie durch Gebell bereits selbst, so dass niemand einfach die Tür öffnen würde, wenn sie im Haus ist.


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Warnung vor dem Hunde!

Dann kamen ein paar Tage, in denen ich zu Hause Fallobst zu verarbeiten hatte. Nala saß stundenlang in Erwartungshaltung neben dem Küchentisch und beobachtete mich beim Äpfelschälen. Jeder Blick ein milder Vorwurf: „Du willst das doch nicht wirklich alles auf den Kompost werfen...? Man kann das essen!“ Natürlich hat sie einen Teil der Schalen dann auch bekommen.


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Bloß nichts verschwenden...

Nala ist m.E. wirklich ein genügsamer und pflegeleichter Hund - allerdings ist sie nicht der typische grenzenlos-freundliche Labbi, sondern braucht eine sichere Individualdistanz bei Menschen und Tieren. Sie hat sich 100%ig an mich angeschlossen, ist verschmust, anhänglich und auch recht gehorsam. Ein Wechsel der Bezugsperson wird sicher mit einigem Aufwand verbunden sein, aber ich halte Nala für fähig, sich nochmal neu zu orientieren.

SHWet
12.12.2021, 19:32
Lange habe ich nichts von Nala berichtet. Dass sie mich inzwischen täglich ins Büro begleitet und dort anscheinend ein zufriedenes Hundeleben führt, macht mir große Freude. Nur deshalb ist es möglich, dass ich sie weiterhin als Pflegehund halten kann. Von Zeit zu Zeit kann ich mit Nala auch auf dem Hundeplatz üben, und dank Nicole und Jörg kann ich hier einen kleinen Einblick in Nalas Fortschritte geben.


https://youtu.be/Hir_Bf89KDM

SHWet
13.05.2022, 22:00
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Heute haben wir unseren ersten Jahrestag gefeiert. Hoffen wir, dass noch viele dazukommen :herz:

Mi&Ni
30.05.2022, 12:34
Einfach mal ein paar Bilder ...


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zum Jahrestag gab es ein geschenktes Schaf


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wer bist Du denn?


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was soll ich damit nur anfangen?


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okay, ich erlege es erstmal
(dabei darf ich sonst gar keine Schafe beißen... )


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warum kann das Schaf fliegen?

SHWet
14.05.2023, 13:42
Nach vielen Monaten will ich mal wieder ein bisschen über Nala berichten. Gestern waren es zwei Jahre, dass sie bei mir eingezogen ist. Und wenn mir jemand damals gesagt hätte, dass sie bleibt, hätte ich es nicht geglaubt. Aber - sie blieb!


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Voll in meinen manchmal sehr unregelmäßigen und schlecht planbaren Alltag integriert, ist Nala einfach da. Begleitet mich überall hin, wenn es irgendwie geht, oder wartet geduldig im Büro oder im Auto, wenn ich sie mal nicht mitnehmen kann.


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Nalas Platz unter dem Schreibtisch im Büro / Im Auto - My Box is my Castle

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Bei schönem Wetter bewacht sie auch mal den Eingang von Frauchens Arbeitsplatz

Ihr Verhältnis zu Menschen - auch Fremden - ist inzwischen ziemlich entspannt. Das Misstrauen ist einer fast schon aufdringlichen Neugier gewichen. Gerne checkt Nala die Mitwirkenden, die zur Probe kommen, ob sie vielleicht etwas Essbares dabei haben. (Da manche diese Begrüßung so nett finden, bringen sie ihr tatsächlich mal ein Stück Apfel, Möhre oder ein anderes Leckerchen mit, und müssen nun damit leben, dass Nala sie auch aus größeren Gruppen „herausfiltert“ und mit den typischen Kulleraugen, einem feinen „Sitz“ direkt vor den Füßen und heftigem Gewedel begrüßt...) bei Nala geht Liebe eindeutig durch den Magen.


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Betteln lohnt sich (fast) immer...

Trotzdem gibt aber immer noch Situationen, in denen Nala Distanz einfordert. Auf entgegengestreckte Hände, Leute, die vor ihr in die Hocke gehen und mit Säuselstimme ansprechen, reagiert sie ausweichend. Und falls sie nicht ausweichen kann, kräuselt sich ihre Nase und sie würde nachwievor Abwehrschnappen zeigen. Ihre Signale sind aber inzwischen gut erkennbar und vernünftige Menschen lassen sich rechtzeitig warnen.

Draußen zeigt sie sich ebenfalls als souveräne Begleiterin. Begegnungen mit großen und kleinen Tieren laufen entspannt, vorsichtig-neugierig ab. Jagdtrieb zeigt sie nicht. Fremde Hunde werden bei ausreichender Distanz weitgehend ignoriert, auf Pöbler reagiert sie in der Regel kaum. Direkten Kontakt mit Beschnuppern duldet sie auch bei gut bekannten Hunden nicht - auch da würde sie weiterhin Abwehrschnappen zeigen. Wir können aber auch mit unbekannten Hunden in der Gruppe spazierengehen, wenn die Nala links liegenlassen.


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Begegnungen mit kleinen und großen Tieren...

Vor einigen Wochen bin ich mit Nala in eine neue Wohnung gezogen. Auch diese Umstellung ist ihr problemlos gelungen. Wo ich bin, fühlt sie sich offensichtlich gleich heimisch.


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Das Wichtigste ist schon da: Küche und Hundebett ;-)

Das zeigt sie auch bei Urlauben im Hotel oder beim Besuch von Freunden in fremden Wohnungen. Sie war mit mir im Baumarkt und im Museum, wir sind Bus gefahren und auch die Autowaschanlage ist für Nala kein Problem (sie versuchte von innen den Schaum von den Scheiben zu lecken - wahrscheinlich hielt sie das für Sahne...).


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Während ich das Tagebuch schreibe, döst das Hundetier vor sich hin...

SHWet
10.03.2024, 20:57
Liebe geht durch den Magen...

Schon wieder sind einige Monate seit dem letzten Lebenszeichen von Nala vergangen und ich darf versichern, es ist kein schlechtes Zeichen. Es gibt einfach nicht viel Neues oder Spektakuläres zu berichten. Nala hat sich so innig an mich angeschlossen und mit der Zeit so viel Vertrauen aufgebaut, dass Sie in meiner Gegenwart im Umgang mit Menschen eine ziemlich coole Socke geworden ist. Passanten, selbst in größerer Zahl, lassen sie absolut gelassen. Werden wir beim Spaziergang mal direkt angesprochen und jemand zeigt Interesse an Nala, geht sie aufgeschlossen und interessiert auch auf unbekannte Menschen zu, lässt sich anfassen und bettelt um Leckerchen. Die meisten Leute müssen sich dann bedauernd mit „Ich hab doch nichts für Dich“ verabschieden, aber gelegentlich trifft man ja doch mal jemanden, der zwar ohne Hund, aber mit etwas Essbarem in der Tasche unterwegs ist. Wenn dieser Jemand dann mich fragt „darf ich ihr denn etwas geben“, sitzt dieser früher so misstrauische Hund ganz dicht vor, die Rute wedelt den Staub des Weges auf und wenn es nicht schnell genug geht, wird auch mal auffordernd an die Jacken- oder Hosentasche gestupst. Beim Abnehmen des Leckerchens ist Nala leider oft noch sehr hektisch und unvorsichtig - auch wenn gute Bekannte ihr etwas anbieten. Das zeigt mir, dass immer noch ein bisschen Stress mit im Spiel ist (bei mir nimmt sie sehr vorsichtig ab). Grundsätzlich bin ich nicht dafür, dass Fremde den eigenen Hund füttern, bei Nala hat es aber ganz deutlich zur Verbesserung ihres Verhaltens beigetragen. Sie hat scheinbar verinnerlicht, dass da lauter potentielle Futterspender herumlaufen und es sich lohnen könnte, auf freundliche Ansprache ebenso freundlich zu reagieren.
Bei Kindern gestatte ich nicht, dass sie Nala aus der Hand füttern, weil sie so „schnappig“ ist. Wenn die Leckerchen auf den Boden geworfen werden, ist das für die kleinen Finger sicherer.



https://youtu.be/2EbZzdObTpU?si=rzh7Rj-SQDEsfgQZ

(Das Pinkeln in fließendes Wasser habe ich bei Nala schon häufiger beobachtet, aber noch bei keinem anderen Hund. Kennt jemand dieses Verhalten?)

Leider haben sich während der Wintermonate die vielen Leckerchen und die wegen meiner langen Arbeitszeiten etwas kurz geratenen Spaziergänge auf der Waage bemerkbar gemacht. Nala ist ein bisschen zu moppelig geworden. Wir hoffen aber zuversichtlich, dass mit reduzierter Futtermenge und mehr Bewegung die Sache wieder in Ordnung kommt. Glücklicherweise ist dieser Hund ja ein „Allesfresser“ und wir können mit geraspeltem Gemüse, Magerquark und Futterzellulose für einen vollen Bauch sorgen, ohne zu viele Kalorien zu füttern.



https://youtube.com/shorts/naCGUFgLclc
...mein "Allesfresser"



Ganz nah dran...

So eng wie mit Nala habe ich bisher noch mit keinem Hund zusammengelebt. Früher waren die Hunde immer Teil einer mehrköpfigen Familie, da galten viel strengere Regeln: Der Hund geht mit zur Arbeit? Wenn das alle machen würden.... Betteln am Tisch? Kommt gar nicht in Frage... Der Hund auf dem Sofa oder sogar im Bett? Überhaupt nicht dran zu denken...
Bei Nala ist alles anders. Dass sie mit zur Arbeit geht, habe ich schon oft berichtet. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Wenn man sich ein Frauchen aussucht, das alleinstehend und berufstätig ist, kann man als Hund was erleben.



https://youtu.be/duSrtYt-3Jg?si=mOIeaogvzSmfsj8t

Wenn man mit Hund allein in einer kleinen Wohnung haust, gibt es doch eigentlich keinen Grund, die Ressourcen (bequeme Liegeplätze und gutes Futter) nicht auch gerecht zu teilen.


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...das sich das sogar auf die gemeinsame Nutzung des Kopfkissens erstreckt, sollte aber doch die Ausnahme bleiben...


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